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Donnerstag, 17. Juni 2010

Warum die SVP die CVP als Slalom-Partei ablöste

Ex-SVP-Bundesrat Christoph Blocher gibt bei der SVP die politische Stossrichtung durch. In den Parlamenten muss diese umgesetzt werden. In den letzten Wochen hat er im Zusammenhang mit dem UBS-Debakel mehrere Pirouetten, Fallrückzieher und Slalomläufe vollführt. Die SVP hat damit die CVP als Slalompartei überholt. Die linke Wochenzeitung kommentiert dies so:
" ... Wer nachzählt, sieht: Nach dem Nein zur Bonisteuer und dem Nein zu kleineren Banken verhindert die SVP jetzt auch noch die eingehende Untersuchung des UBS-Schlamassels.
Es war nur eine Bemerkung, aber es klang wie ein dringender Wunsch. «Frische Luft», sagte Toni Brunner und bat die WOZ auf den Balkon des Bundeshauses. Das war vergangene Woche, und ich wollte vom SVP-Präsidenten wissen, wo die Partei stehe, da sie doch jeden Tag wieder eine neue Position vertrete. Drinnen beriet der Nationalrat den Staatsvertrag mit den USA, und draussen lehnte sich Brunner über die Brüstung und erklärte in langen Ausführungen, warum die Partei keinen Zickzackkurs fahre. Und warum sie trotz gegenteiliger Ankündigungen dem Staatsvertrag mit den USA zustimmen werde.
Tags darauf lehnte die SVP den Staatsvertrag im Nationalrat ab. Die se Woche, bei der erneuten Abstimmung, enthielt sich die Fraktion der Stimme. Und der Staatsvertrag wurde ange nommen.
Dann drehte sich der Toggenburger um und sagte, es stehe «ausser Frage», dass seine Partei einer Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) zum Fall UBS zustimmen werde – auch im Ständerat, «von vereinzelten Abweichlern vielleicht abgesehen».
Am Montag lehnten die SVP-Ständeräte die Einsetzung einer PUK ab – geschlossen wie in einer konzertierten Aktion. Die Akte UBS wird geschlossen. Selbst aus der CVP-Fraktion, die im Vorfeld der Abstimmung als Zünglein an der Waage galt, kamen vier Ja-Stimmen. Hätte die SVP ihren grossen Worten Taten folgen lassen, wäre die PUK eine Tatsache. Stattdessen hat die selbst ernannte Volkspartei eine PUK verhindert. ..."

Analyse des SVP-Verhaltens und ganzer Text via: Wochenzeitung

Samstag, 12. Juni 2010

Wie Parteispenden die Schweizer Politik bestimmen

Parteispenden = Bestechung?

In den Schweizer Parlamenten stehen einige Abstimmungen an, die Banken besonders hart treffen könnten. Erste Durchgänge sind in beiden Parlementen bereits abgeschlossen. Es sieht ganz danach aus, dass die Parteispenden der Grossbanken an FDP, CVP und auch SVP, in Kombination mit den Lobbyisten in den Wandelhallen des Parlamentes, ihre Wirkung nicht verfehlen würden. So dürfte der umstrittene UBS-Staatsvertrag im Ständerat angenommen werden, keine Untersuchungskommission zur UBS-Krise eingesetzt und keine Boni-Steuer eingeführt werden. Lupe, der Satire-Blog meint dazu:
" ... in der schweiz müssen parteispenden nicht offengelegt werden, auch wenn sie in die millionen gehen. insbesondere banken haben mit dieser art des verdeckten parteien-schmierens erfolg: im schweizer parlament wird es nächste woche keine parlamentarische untersuchungskommission zur ubs-sache und keine boni-steuer geben. 
selbstverständlich bedienen die banken mit ihren jährlichen, hohen sechsstelligen beträgen nicht alle grossen parteien. am meisten profitiert die neoliberale fdp, gefolgt von der cvp und der rechtsaussenpartei svp. leer gehen die sozialdemokraten und die grünen aus. zusätzlich finanziert die unternehmens- und bankenbranche unzählige lobbyisten, die im bundeshaus ein und aus gehen und wankelmütige parteispendenempfänger wieder auf den richtigen abstimmungs-weg bringen. ..."
" ... die korrupteste rolle spielt die fdp, die durch das ablehnen der puk ihren grössten parteispender (ubs) schützt und gleichzeitig auch verhindern will, dass noch mehr peinliche details des versagens ihres bundesrates hans-rudolf merz an die öffentlichkeit gelangen.dasselbe prozedere (parteispender-empfänger kneifen) wird die diskussion um eine boni-steuer erfahren. auch hier werden die geschmierten parteien verhindern, dass ihre brötchengeber plötzlich keine überrissenen boni mehr erhalten dürfen.
der finanzielle leidensdruck für die linken und grünen scheint noch nicht so gross zu sein, dass sie eine erfolgversprechende volksinitiative mit dem möglichen titel "offenlegung von parteispenden ab 5'000 franken" lancieren wollen. ...."
Der ganze Beitrag via Lupe
Foto via gusnews.net

Donnerstag, 3. Juni 2010

Minder zur Abzocker-Debatte: "Parlament ist überfordert"

Thomas Minder: "Man sollte alle Lobbyisten 
aus dem Bundeshaus vertreiben"

FDP und SVP haben gestern im Nationalrat bewirkt, dass die  Behandlung der Abzockerinitiative um ein Jahr verschoben werden kann, um einen indirekten Gegenvorschlag auszuarbeiten. Damit wollen die Rechtsbürgerlichen erreichen, dass die im Volk so populäre Initiative zumindest nicht im Wahljahr zur Abstimmung gelangt. Sie hoffen aber, dass Thomas Minder, der Schaffhauser Initiant die Volksinitiative, die VI zugunsten des indirekten Gegenvorschlages zurückzieht und eine Volksabstimmung hinfällig würde. Doch Minder winkte im Interview mit der Schaffhauser Nachrichten (vor der Nationalratsdebatte geführt) ab. Der indirekte Gegenvorschlag, der auf Gesetzesstufe zur Anwendung käme, habe keinen Biss, "nur Milchzähne". Minder habe dies dem Vertreter der Bürgerlichen schon zehnmal gesagt. Ein Auszug aus dem Interview:
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FDP-Ständerat Pankraz Freitag sagte, es bestehe eine «realistische Chance», dass Sie Ihre Initiative zurückziehen werden.
Minder: Ich habe Herrn Freitag zehnmal gesagt, ich ziehe angesichts der Ideen der ständerätlichen Rechtskommission nicht zurück. Ich weiss nicht, wie er dazu kommt, von einer «realistischen Chance» zu sprechen. Das finde ich eine Frechheit.
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Sie bleiben also dabei: Sie ziehen Ihre Initiative nur zurück, wenn die Einigungslösung zustande kommt.
Minder: Richtig. Darin haben wir 30 Punkte festgehalten. Was der Ständerat nun will, deckt nicht einmal 50 Prozent davon ab. Alle Hintertüren sind noch offen. Abgangsentschädigungen will die Kommission zwar verbieten. Vorauszahlungen und Prämien bei Firmenkäufen und -verkäufen sollen aber weiter erlaubt sein. Auch hohe Rentenzahlungen, wie sie Peter Kurer und Marcel Rohner beziehen, sollen weiter möglich sein.
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Die Kommission sagt, dass der nun anvisierte indirekte Gegenvorschlag wesentlich mehr Zähne habe als der letzte.
Minder: Er hat höchstens Milchzähne.
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Wie beurteilen Sie das Vorgehen des Ständerats, den direkten Gegenvorschlag des Nationalrats zu sistieren und erneut einen indirekten Gegenvorschlag anzustreben?
Minder: Der Ständerat bleibt seiner Haltung treu, und das ist auch richtig. Meine Forderungen sind im Gesetz sicher besser aufgehoben als in der Verfassung. Das sah ich schon immer so. Das Parlament muss allerdings aufpassen, dass es die beiden Instrumente eines direkten und eines indirekten Gegenvorschlags nicht missbraucht. Das Parlament meint, man könne einem Initianten nur so den Wind aus den Segeln nehmen.
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Wird Ihre Initiative vom Parlament verschleppt?
Minder: Ich stelle fest, dass das Parlament überfordert ist. In der Ständeratsdebatte ist kaum ein kritisches Wort gefallen. Dabei wäre Selbstkritik angebracht. Ich finde, man sollte all die Lobbyisten aus dem Bundeshaus vertreiben. Das letzte Mal ist der Ständerat aufgrund des Lobbyings der Economiesuisse gekippt. Das darf doch nicht sein. Dass bei der UBS und der CS im grossen Stil abgezockt wurde, war schon damals bekannt. Es ist einfach lachhaft, wenn die Kommission jetzt sagt, aktuelle Ereignisse hätten sie umgestimmt.
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Nun hat sich die Economiesuisse offenbar für einen indirekten Gegenvorschlag eingesetzt. Kann man daraus schliessen, dass ein Umdenken stattgefunden hat?
Minder: Ich schliesse daraus, dass nun auch einige Liberale umkippen. Es brauchte bei ihnen offenbar etwas länger. Ich bin übrigens auch liberal und bürgerlich. Man musste nicht Prophet sein, um diese hohen Abgangsentschädigungen und Boni kommen zu sehen.
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das ganze Interview mit Minder via Schaffhauser Nachrichten 
bild via "blick"

Mittwoch, 7. April 2010

Politiker kuschen vor Parteispendern der Banken-Branche

Keine Sondersteuer für Banken, die von den Mia-Staatshilfen profitierten

Einen Rückblick auf Vor-Ostern kann ich mir nicht verkneifen. Es geht um die horrenden Banker-Boni. Die Kommission des Schweizer Ständerates beschloss vor einer Woche, dass es für das letzte Jahr keine Sondersteuer auf Boni geben soll. Sie hatte über eine Motion von Ständerat Alain Berset (SP) zu beraten. Er wollte, dass die Banken ebenfalls einen Anteil der Aufwendungen des Staates (u.a.68 Mia für die UBS) an der Überwindung der Finanzkrise zu leisten haben. 20 Minuten schrieb dazu:
" ... Der Freiburger verlangt in seinem Vorstoss, dass Banken hierzulande verpflichtet werden, für die letztes Jahr angefallenen variablen Lohnbestandteile von über 40 000 Franken eine einmalige Steuer von 50 Prozent zu zahlen. Der Freiburger Ständeherr begründet seinen Antrag damit, dass die Banken während der Finanzkrise direkt oder indirekt vom entschlossenen Handeln des Bundes und der Nationalbank profitierten. An den hohen Kosten hätten sie sich aber nicht beteiligt. Die Lasten müssten nun aufgeteilt werden. Deshalb solle die Schweiz Grossbritannien und Frankreich folgen, die analoge Regeln beschlossen haben. ..."
Die Mehrheit der Kommission, lehnte den Antrag mit 7:3 ab. Pikant an der Sache ist, dass gerade die bürgerlichen Parteien SVP, FDP und CVP in der Vergangenheit einen Grossteil der Parteispenden von den Grossbanken erhalten haben.
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Mehr dazu via 20 Minuten

Donnerstag, 11. März 2010

Ab 8 Uhr Live-Übetragung der Abzocker-Debatte

Heute wird im Schweizer Parlament die Abzockerinitiative von Thomas Minder behandelt. Minder will per Volksabstimmung erreichen, dass überrissene Boni und Manager-Saläre der Vergangenheit angehören. SVP und SP stehen hinter Minders Vorstoss. Die FDP sträubt sich dagegen und will heute einen Gegenvorschlag präsentieren. Unter Insidern heisst es, Minder habe mit der FDP einen Deal ausgehandelt und werde seine Volksinitiative zurückziehen, wenn der Gegenvorschlag im Parlament durchkommt.

Die Parlaments-Debatte wird ab 08:00 live vom Schweizer Fernsehen übertragen.

früherer Beitrag zum Thema:
Wird die Abzocker-Initiative zurückgezogen?

Freitag, 19. Februar 2010

Übersicht über Parteispenden Deutschland 2009

Kann man Parlamentarier, die sechsstellige Parteispenden von Mövenpick annehmen und danach die Mehrwersteuer für Hotelübernachtungen massivst senken, trotz hoher Staatsverschuldung, als Abzocker bezeichnen? Da gehen wohl die Meinungen auseinander. Einen Überblick über sämtliche grossen Parteispenden des Jahres 2009 (Deutschland) hat "Lupe, der Satire-Blog" zusammengestellt.

Als Beispiel ein Auszug aus der Auflistung:

August 2009 - Drucksache 16/14086

CDU 261.800 YOC AG
10178 Berlin 05.08.2009 05.08.2009

CDU 60.001 Allianz AG
80802 München 04.08.2009 07.08.2009

CDU 200.000 Prof. Dr. h. c. Hermann Schnabel
20097 Hamburg 06.08.2009 07.08.2009

CDU 150.000 FERRING Arzneimittel GmbH
24103 Kiel 06.08.2009 07.08.2009

CDU 60.000 Märkischer Arbeitgeberverband e. V.
58095 Hagen 13.07.2009 11.08.2009

CDU 120.000 Deutsche Vermögensberatung AG
60329 Frankfurt am Main 11.08.2009 18.08.2009

CDU 100.000 Allfinanz Deutsche Vermögensberatung AG
60329 Frankfurt am Main 11.08.2009 18.08.2009

FDP 50.001 Allianz Deutschland AG
80802 München 31.07.2009 03.08.2009

FDP 300.000 Substantia AG
40212 Düsseldorf 05.08.2009 06.08.2009

SPD 60.001 Allianz SE
80802 München 03./04.08.2009 05.08.2009

CSU 70.000 Verein der Bayerischen Chemischen Industrie e. V.
81679 München 04.08.2009 05.08.2009

BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 60.001 Allianz SE
80802 München 03.08.2009 04.08.2009

Lupe, der Satire-Blog verrät auch, wie man rasch herausfinden kann, wie viel die einzelnen Parteien im Jahr 2009 bekamen.

quellen:
Parteispenden Deutschland 2009: Wer zahlte welcher Partei wie viel? Die Übersicht(Lupe-Blog)
Parteispenden nach Parteien 2009 (Transparenz-Blog)